Arten von Agri-PV Anlagen: Systeme, Vorteile & Praxis 2026

Die Agri-Photovoltaik hat sich bis 2026 als Schlüsseltechnologie für Energiewende und resiliente Landwirtschaft etabliert. Das Grundprinzip der Doppelnutzung – simultane Erzeugung von Solarstrom und landwirtschaftlichen Erzeugnissen – bietet Lösungen für den zunehmenden Flächennutzungskonflikt.
Die Kategorisierung nach Bauart und Nutzung
In Deutschland und Europa erfolgt die Einteilung der Agri-PV Systeme primär nach ihrer Bauhöhe und der Art der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung. Man unterscheidet zwei Hauptkategorien, die unterschiedliche Anforderungen an Statik und Maschinennutzung stellen. Die genaue Kenntnis der verschiedenen Arten von Agri-PV Anlagen und deren technischer Spezifikationen gemäß der DIN SPEC 91434 ist essenziell.
Kategorie I: Hochaufgeständerte Agri-PV
Hochaufgeständerte Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass die PV-Module in einer lichten Höhe von mindestens 2,10 Metern (häufig bis zu 5 Meter) installiert werden. Die landwirtschaftliche Bewirtschaftung findet direkt unter den Modulen statt.
Einsatzbereiche:
- Sonderkulturen wie Beerenobst, Kernobst, Weinbau oder Hopfen
- Gemüseanbau mit erhöhtem Schutzbedarf
- Kulturen, die von kontrollierter Beschattung profitieren
Vorteile hochaufgeständerter Systeme
- Module dienen als Ersatz für Hagelschutznetze oder Folientunnel
- Schutz vor extremen Wetterereignissen wie Starkregen, Frost und Sonnenbrand
- Semi-transparente Module ermöglichen optimiertes Lichtmanagement
Für Landwirte interessant: Erfahren Sie mehr über die Zertifizierung und wie Sie Ihre bestehenden Kulturen durch hochaufgeständerte Agri-PV schützen können.
Kategorie II: Bodennahe und vertikale Agri-PV
Bei dieser Kategorie befinden sich die Module in Bodennähe. Die landwirtschaftliche Nutzung erfolgt nicht unter, sondern zwischen den Modulreihen.
Vertikale Agri-PV: Bifaziale Module stehen senkrecht wie ein Zaun und ermöglichen die Bewirtschaftung mit großen Landmaschinen zwischen den Reihen.
Vertikale Agri-PV (Bifazial)
Bei vertikalen Systemen werden die Module senkrecht wie ein Zaun aufgestellt. Durch bifaziale (beidseitig aktive) Zellen wird das Sonnenlicht am Vormittag und Nachmittag optimal genutzt.
- Einsatzbereiche: Ackerbau mit großen Landmaschinen (Getreide, Hackfrüchte) sowie Dauergrünland mit Beweidung
- Flächenverlust: Mit ca. 2–5 % minimal
- Zusatznutzen: Vertikale Reihen wirken als Windschutz, mindern Bodenerosion und reduzieren Verdunstung
Innovative Sonderformen und Tracking-Systeme
Neben den statischen Systemen gewinnen dynamische Lösungen zunehmend an Bedeutung, um die Effizienz der Flächennutzung weiter zu steigern.
Einachsige Tracking-Systeme
Diese Anlagen folgen dem Stand der Sonne von Ost nach West. In der Agri-PV können Tracker so gesteuert werden, dass sie bei Bedarf (z. B. bei starkem Hagel oder zur Durchfahrt von Erntemaschinen) in eine Schutz- oder Ruheposition schwenken. Dies maximiert nicht nur den Stromertrag, sondern optimiert auch die Lichtverteilung für die darunterliegenden Kulturen.
Vorteile von Tracking-Systemen:
- Bis zu 30 % höherer Stromertrag gegenüber statischen Anlagen
- Flexible Anpassung an landwirtschaftliche Arbeitsabläufe
- Schutzfunktion bei Extremwetter
Agri-PV im Unterglas-Anbau
Hierbei werden PV-Module direkt in die Dachkonstruktion von Gewächshäusern integriert. Dies ermöglicht eine hochintensive Bewirtschaftung bei gleichzeitigem Schutz vor äußeren Umwelteinflüssen und einer autarken Energieversorgung für Klimatisierung und Bewässerung.
Agri-PV im Gewächshaus: PV-Module im Dach erzeugen Strom für Klimatisierung und Bewässerung bei gleichzeitigem Pflanzenschutz.
Vorteile der Agri-PV Systeme im Überblick
Die Wahl der passenden Art von Agri-PV Anlage hängt von der individuellen Fruchtfolge und der verfügbaren Maschinentechnik ab. Folgende Synergieeffekte sind systemübergreifend:
- Resilienz gegen Klimawandel: Reduktion von Hitzestress durch kontrollierte Beschattung
- Wassereffizienz: Geringere Verdunstungsraten des Bodens (bis zu 20 % Einsparung)
- Doppelte Flächennutzung: Strom- und Nahrungsmittelproduktion auf derselben Fläche
- Zusätzliches Einkommen: Langfristige Pachteinnahmen oder Eigenstromerzeugung
Projektentwickler profitieren von der steigenden Nachfrage nach zertifizierten Agri-PV-Anlagen, die den aktuellen Normen entsprechen.
Häufig gestellte Fragen
Welche Kulturen eignen sich am besten für Agri-PV?
Besonders schattentolerante oder teilbeschattete Kulturen wie Kartoffeln, Beeren, Blattgemüse und Hopfen profitieren stark. Bei vertikalen Systemen können fast alle klassischen Ackerfrüchte wie Getreide oder Mais angebaut werden.
Wie hoch ist der Flächenverlust durch die Anlagen?
Gemäß DIN SPEC 91434 darf der Flächenverlust bei Kategorie I maximal 10 % und bei Kategorie II maximal 15 % betragen. In der Praxis liegt er bei vertikalen Systemen oft deutlich unter 5 %.
Gibt es eine spezielle Förderung für Agri-PV?
Ja, im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gibt es spezielle Ausschreibungssegmente und Technologie-Boni für Agri-PV, sofern die Anlage die Kriterien der lichten Höhe oder der Flächeneffizienz erfüllt.
Weiterführende Ressourcen
- DIN SPEC 91434 - Der Standard für Agri-PV erklärt
- Pflanzenauswahl und Reihenabstand für maximale Erträge
- Agri-PV Zertifizierung für Landwirte
- Informationen für Projektentwickler
- Unsere Referenzprojekte
Fazit und Handlungsempfehlung
Die verschiedenen Arten von Agri-PV Anlagen bieten für nahezu jeden landwirtschaftlichen Betrieb eine passende Lösung. Während hochaufgeständerte Systeme im Garten- und Weinbau dominieren, stellen vertikale Systeme eine hocheffiziente Lösung für den klassischen Ackerbau dar.
Für Investoren und Landwirte empfiehlt sich eine frühzeitige Standortanalyse und die Erstellung eines landwirtschaftlichen Nutzungskonzepts, um die Genehmigungsfähigkeit und die maximale Förderung nach dem aktuellen EEG sicherzustellen.
Quellen
DIN Deutsches Institut für Normung e. V. (2021). DIN SPEC 91434: Agri-Photovoltaik-Anlagen - Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung. Berlin: Beuth Verlag.
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. (2022). Agri-Photovoltaik: Chance für die Landwirtschaft und die Energiewende. Freiburg: Fraunhofer ISE.
Trommsdorff, M., et al. (2021). Agrivoltaics: Solar Power Generation and Food Production. Solar Energy Journal, 220.

Der Autor
Sebastian Danninger-Müller
Spezialist Agri-PV
Agri-PV Experte, Ingenieur, Landwirt mit selbst umgesetzter 2,5MWh Agri-PV Anlage und mehr als sechs Jahren Erfahrung im Bereich Erneuerbare Energien.
PV Siegel