DIN SPEC 91434: Kategorie I vs. II – Die Unterschiede erklärt

Die DIN SPEC 91434 ist ein Standard, der die Anforderungen an Agri-Photovoltaik-Anlagen in Deutschland definiert, um die vorrangige landwirtschaftliche Nutzung der Fläche sicherzustellen. Das Regelwerk unterscheidet zwischen Kategorie I (hoch aufgeständert) und Kategorie II (bodennah) – je nach Bauweise und Bewirtschaftungsart.
Was ist die DIN SPEC 91434?
Die DIN SPEC 91434 dient Landwirten, Gesetzgebern, Genehmigungsbehörden und Projektentwicklern als verlässliche Grundlage für die Planung, den Bau und den Betrieb von Agri-PV-Anlagen. Die Kernziele sind:
- Aufrechterhaltung der Bodennutzung für landwirtschaftliche Zwecke
- Gewährleistung von Erträgen – mindestens 66 % des Referenzertrags
- Klare Definition technischer Anforderungen für verschiedene Anlagentypen
Für detaillierte Informationen zur Norm empfehlen wir unseren ausführlichen Artikel: Was ist die DIN SPEC 91434? – Erklärung und Bedeutung für Agri-PV.
Die zentralen Unterschiede zwischen Kategorie I und II
Die Norm unterscheidet grundlegend zwischen zwei Bauweisen, die sich auf die Art der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung auswirken. Die Wahl der Kategorie hängt davon ab, welche Kulturen angebaut werden und welche Maschinen zum Einsatz kommen.
Kategorie I: Hoch aufgeständerte Anlagen
Anlagen der Kategorie I sind hoch aufgeständert. Die landwirtschaftliche Nutzung findet hier direkt unter den Modulen statt. Diese Bauform eignet sich besonders für Sonderkulturen wie Obst, Wein und Hopfen, aber auch für Ackerbau mit dem Einsatz großer Maschinen.
Die wichtigsten Merkmale der Kategorie I:
- Bauweise: Die PV-Module werden in großer Höhe (oft über 2,10 Meter) installiert, um ausreichend Platz für Maschinen und Pflanzenwachstum zu schaffen
- Bewirtschaftung: Die Fläche unter den Modulen ist vollständig für landwirtschaftliche Zwecke nutzbar
- Flächenverlust: Der maximale Flächenverlust durch die Unterkonstruktion ist auf 10 % der Gesamtfläche begrenzt
Ideal für Sonderkulturen: Kategorie I richtet sich an spezialisierte Betriebe, insbesondere im Obst-, Gemüse- und Weinbau. Der höhere Schutz der Kulturen und die fast uneingeschränkte Nutzbarkeit der Fläche unter den Modulen sind hier die entscheidenden Vorteile.
Kategorie II: Bodennahe Anlagen
Anlagen der Kategorie II sind bodennah aufgebaut. Die landwirtschaftliche Nutzung findet hier hauptsächlich zwischen den Modulreihen statt. Diese Bauform eignet sich besonders für Ackerbau, Grünland oder Weidewirtschaft, bei denen die Flächen zwischen den Strukturen bewirtschaftet werden können.
Die wichtigsten Merkmale der Kategorie II:
- Bauweise: Die PV-Module sind in Reihen bodennah aufgeständert
- Bewirtschaftung: Die landwirtschaftliche Bearbeitung erfolgt in den Gassen zwischen den Modulreihen
- Flächenverlust: Der Flächenverlust durch Stützpfeiler ist auf maximal 15 % der Gesamtfläche begrenzt
Die Module fungieren bei Kategorie II als vertikale Barrieren zwischen den Bewirtschaftungsgassen. Dies ist besonders relevant für den klassischen Ackerbau und Grünland.
Tipp für Landwirte: Kategorie II ist oft die Wahl für Betriebe mit klassischem Ackerbau, Grünlandbewirtschaftung oder in der Tierhaltung, bei denen die Bewirtschaftung in den Gassen zwischen den Reihen unkompliziert möglich ist.
Für wen ist welche Kategorie relevant?
Die Entscheidung für eine der beiden Kategorien ist von der primären landwirtschaftlichen Nutzung abhängig:
| Kriterium | Kategorie I | Kategorie II |
|---|---|---|
| Bauhöhe | Hoch aufgeständert (≥ 2,10 m) | Bodennah |
| Bewirtschaftung | Unter den Modulen | Zwischen den Modulreihen |
| Max. Flächenverlust | 10 % | 15 % |
| Typische Kulturen | Obst, Wein, Hopfen, Gemüse | Ackerbau, Grünland, Weidewirtschaft |
| Maschineneinsatz | Großmaschinen unter den Modulen | Zwischen den Reihen |
Mindesterträge und landwirtschaftliche Anforderungen
Unabhängig von der Kategorie sieht die DIN SPEC 91434 vor, dass mindestens 66 % des ursprünglichen landwirtschaftlichen Ertrags im Vergleich zu einer Referenzfläche ohne PV-Anlage erzielt werden müssen. Dies stellt sicher, dass die landwirtschaftliche Hauptnutzung erhalten bleibt.
Wichtige Kennzahlen:
- Mindestertrag: 66 % des Referenzertrags
- Kategorie I: Max. 10 % Flächenverlust
- Kategorie II: Max. 15 % Flächenverlust
Mehr zu den Anforderungen für optimale Erträge erfahren Sie in unserem Artikel: Pflanzenauswahl und Reihenabstand für maximale Agri-PV Erträge.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Hauptunterschied zwischen Kategorie I und II der DIN SPEC 91434?
Der Hauptunterschied liegt in der Bauhöhe und der bewirtschafteten Fläche. Bei Kategorie I (hoch aufgeständert) wird die Fläche unter den Modulen genutzt, während bei Kategorie II (bodennah) die Fläche zwischen den Modulreihen bewirtschaftet wird.
Wie hoch darf der Flächenverlust bei Agri-PV Anlagen sein?
Nach DIN SPEC 91434 darf der Flächenverlust bei Anlagen der Kategorie I maximal 10 % betragen. Bei Anlagen der Kategorie II ist ein Flächenverlust von bis zu 15 % zulässig.
Muss ein landwirtschaftlicher Mindestertrag erzielt werden?
Ja, die Norm sieht vor, dass mindestens 66 % des ursprünglichen landwirtschaftlichen Ertrags im Vergleich zu einer Referenzfläche ohne PV-Anlage erzielt werden müssen.
Welche Kategorie eignet sich für meinen Betrieb?
Das hängt von Ihrer Anbaustruktur ab: Kategorie I für Sonderkulturen wie Obst, Wein oder Hopfen mit großen Maschinen, Kategorie II für Ackerbau und Grünland.
Weiterführende Ressourcen
- DIN SPEC 91434 - Der Standard für Agri-PV ausführlich erklärt
- Arten von Agri-PV Anlagen im Überblick
- Pflanzenauswahl und Reihenabstand für maximale Erträge
- Agri-PV Zertifizierung für Landwirte
- Informationen für Projektentwickler
- Unsere Referenzprojekte
Fazit: Eine klare Abgrenzung für eine effiziente Doppelnutzung
Die DIN SPEC 91434 schafft mit der Unterscheidung in Kategorie I und II eine wichtige Grundlage, um die Synergien zwischen Landwirtschaft und Energiegewinnung optimal zu nutzen. Die Klassifizierung stellt sicher, dass für jeden Anwendungsbereich eine passende und effiziente Lösung gefunden wird.
Die Kenntnis der Unterschiede zwischen den Kategorien ist für Landwirte und Projektentwickler der Schlüssel zu einer erfolgreichen und normkonformen Agri-PV-Anlage.
Quellen
Deutsches Institut für Normung. (2021). DIN SPEC 91434: Agri-photovoltaic systems – Requirements for primary agricultural use. Berlin, Deutschland: Beuth Verlag.
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. (2024). Agrivoltaics: A Guideline for Germany. Freiburg, Deutschland: Fraunhofer ISE.
Weselek, A., Ehmann, A., Zikeli, S., Lewandowski, I., Schindele, S., & Högy, P. (2021). Agrivoltaics: Opportunities for Agriculture and the Energy Transition. Fraunhofer Institute for Solar Energy Systems ISE.

Der Autor
Sebastian Danninger-Müller
Spezialist Agri-PV
Agri-PV Experte, Ingenieur, Landwirt mit selbst umgesetzter 2,5MWh Agri-PV Anlage und mehr als sechs Jahren Erfahrung im Bereich Erneuerbare Energien.
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