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    Standards & Normen

    DIN SPEC 91434 erklärt: Kriterien und Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung

    Sebastian Danninger-Müller
    29. Januar 2026
    8 Min.
    Hochaufgeständerte Agri-PV-Anlage mit Traktor bei der Ernte – landwirtschaftliche Maschinen arbeiten unter den Solarmodulen auf grünem Salatfeld

    Die DIN SPEC 91434:2021-05 legt dezidiert Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung im Bereich der Agri-Photovoltaik fest. Ihr primäres Ziel: die Qualität und Kontinuität der landwirtschaftlichen Produktion unter Agri-PV-Anlagen gewährleisten und diese klar von reinen Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen abgrenzen.

    Warum die DIN SPEC 91434?

    Der Standard dient dazu, das technische Risiko für alle Projektbeteiligten zu minimieren – insbesondere für Landwirte, Betreiber und Genehmigungsbehörden. Er schafft eine verlässliche Grundlage für die Bewertung und Genehmigung von Agri-PV-Projekten.

    Die Norm behandelt umfassend:

    • Anforderungen an die Planung von Agri-PV-Anlagen
    • Betrieb und Dokumentation während der gesamten Lebensdauer
    • Betriebsüberwachung zur Qualitätssicherung
    • Messkennzahlen für das Prüfverfahren

    Zentrale Kriterien der landwirtschaftlichen Nutzbarkeit

    Die DIN SPEC 91434 definiert verschiedene Schlüsselkriterien, die für die Bewertung der landwirtschaftlichen Nutzbarkeit der Fläche unter Agri-PV-Systemen entscheidend sind.

    Flächenverlust und Bearbeitbarkeit

    Ein wesentlicher Aspekt ist der durch die PV-Anlage verursachte Flächenverlust. Die DIN SPEC 91434 unterscheidet hierbei zwischen zwei Kategorien:

    Maximaler Flächenverlust nach Kategorie:

    • Kategorie I (hoch aufgeständert): Maximal 10 % Flächenverlust – Bewirtschaftung unter den Modulen in mindestens 2,10 m Höhe
    • Kategorie II (bodennah): Maximal 15 % Flächenverlust – Bewirtschaftung erfolgt zwischen den Modulreihen

    Ein Kernanliegen ist die Sicherstellung der Bearbeitbarkeit mit landwirtschaftlichen Maschinen. Die Konstruktion muss so konzipiert sein, dass Maschinen ungehindert eingesetzt werden können. Mehr Details zu den Kategorien finden Sie in unserem Artikel: DIN SPEC 91434: Kategorie I vs. II – Die Unterschiede erklärt.

    Für Projektentwickler wichtig: Die Wahl der richtigen Kategorie und Bauweise entscheidet maßgeblich über die Genehmigungsfähigkeit und den wirtschaftlichen Erfolg Ihres Projekts. Erfahren Sie mehr über unsere Zertifizierungsleistungen.

    Lichtverfügbarkeit und Lichthomogenität

    Die Lichtintensität und -verteilung unter den Agri-PV-Anlagen sind von entscheidender Bedeutung für das Pflanzenwachstum. Die Anforderungen müssen an die Bedürfnisse der jeweiligen Kultur angepasst werden.

    Die Verschattung durch die Module kann:

    • Die Photosyntheseleistung beeinflussen
    • Pflanzen vor übermäßiger Sonneneinstrahlung und Hitze schützen
    • Die Bodenfeuchte länger erhalten

    Wasserhaushalt und Bodenschutz

    Der Standard legt Wert auf die Vermeidung von Bodenerosion und -schäden während des Aufbaus und Betriebs der Anlagen. Dies beinhaltet:

    • Schutz vor durch Modulabfluss verursachten Erosionen
    • Vermeidung von Verschlämmungen des Oberbodens
    • Positive Effekte durch reduzierte Verdunstung in Trockenzeiten

    Ertragsfähigkeit und Referenzertrag

    Zur Sicherung der landwirtschaftlichen Hauptnutzung fordert die DIN SPEC 91434 einen landwirtschaftlichen Mindestertrag:

    Anforderungen an den Mindestertrag:

    • Mindestens 66 % des Referenzertrags einer vergleichbaren Fläche ohne Agri-PV
    • Referenzertrag: Dreijähriger Durchschnittswert derselben Fläche oder vergleichbare Daten aus Veröffentlichungen
    • Messkennzahlen: Definierte Kriterien für das Prüfverfahren zur Qualitätssicherung

    Mehr zur optimalen Kulturauswahl erfahren Sie in unserem Artikel: Pflanzenauswahl und Reihenabstand für maximale Agri-PV Erträge.

    Rückstandslose Auf- und Rückbaubarkeit

    Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Anforderung an die rückstandslose Auf- und Rückbaubarkeit der Agri-PV-Anlagen. Dies stellt sicher, dass die landwirtschaftliche Fläche nach dem Ende der Nutzungsdauer ohne bleibende Beeinträchtigungen wieder uneingeschränkt genutzt werden kann.

    Wirtschaftlichkeit und Landnutzungseffizienz

    Die DIN SPEC berücksichtigt auch die Kalkulation der Wirtschaftlichkeit und die Landnutzungseffizienz. Ziel ist es, die Doppelnutzung so zu gestalten, dass sie:

    • Ökonomische Vorteile für Landwirtschaft und Energieerzeugung bietet
    • Die Flächeneffizienz insgesamt steigert
    • Zur Einkommensdiversifizierung beiträgt

    Informationen zur Wirtschaftlichkeit von Tracker-Systemen finden Sie hier: Agri-PV Tracker-Systeme: Wann und wo sich die Investition lohnt.

    Praktische Umsetzung: Das landwirtschaftliche Nutzungskonzept

    Für die erfolgreiche Umsetzung von Agri-PV-Projekten fordert die DIN SPEC 91434 die Erstellung eines landwirtschaftlichen Nutzungskonzepts. Dieses muss detailliert beschreiben:

    Inhalte des Nutzungskonzepts:

    • Die geplante landwirtschaftliche Hauptnutzung
    • Die Art der Aufständerung der Anlage
    • Die Kalkulation der Wirtschaftlichkeit
    • Maßnahmen zur Sicherstellung der genannten Kriterien

    Praxis-Tipp: Der Standard spielt eine entscheidende Rolle für Genehmigungsbehörden und Fördergeber. Er bietet eine klare Grundlage für die Beurteilung der Einhaltung der landwirtschaftlichen Hauptnutzung und schafft Planungssicherheit für alle Beteiligten.

    Für welche Kulturen ist Agri-PV besonders vorteilhaft?

    Agri-PV kann grundsätzlich in nahezu allen Kulturen eingesetzt werden. Besonders vorteilhaft ist sie jedoch oft für:

    • Schattentolerante Sonderkulturen wie Beeren, bestimmte Obstsorten oder Salate
    • Kulturen, die von Schutz vor Wetterextremen profitieren
    • Anbauflächen, wo Bodenfeuchte konserviert werden soll

    Einen Überblick über verschiedene Anlagentypen finden Sie hier: Arten von Agri-PV Anlagen: Systeme, Vorteile & Praxis 2026.

    Häufig gestellte Fragen

    Welcher Flächenverlust ist bei Agri-PV maximal zulässig?

    Bei hoch aufgeständerten Agri-PV-Anlagen (Kategorie I) ist ein maximaler Flächenverlust von 10 Prozent der Gesamtfläche zulässig. Bei bodennahen Anlagen (Kategorie II) dürfen es maximal 15 Prozent sein.

    Welchen Mindestertrag muss die landwirtschaftliche Nutzung erreichen?

    Die landwirtschaftliche Nutzung unter Agri-PV muss mindestens 66 Prozent des Referenzertrags einer vergleichbaren, konventionell bewirtschafteten Fläche erreichen.

    Für welche Kulturen ist Agri-PV besonders geeignet?

    Besonders vorteilhaft ist Agri-PV oft für schattentolerante Sonderkulturen wie Beeren, bestimmte Obstsorten oder Salate, da die Verschattung vor Wetterextremen schützt und die Bodenfeuchte konserviert.

    Muss ein Nutzungskonzept erstellt werden?

    Ja, die DIN SPEC 91434 fordert die Erstellung eines detaillierten landwirtschaftlichen Nutzungskonzepts, das die geplante Hauptnutzung, Aufständerung und Wirtschaftlichkeit beschreibt.

    Weiterführende Ressourcen

    Fazit: DIN SPEC 91434 als Rahmen für nachhaltige Doppelnutzung

    Die DIN SPEC 91434 ist ein zukunftsweisender Standard, der einen klaren Rahmen für die Integration von Photovoltaik in die Landwirtschaft schafft. Durch die detaillierte Festlegung von Kriterien für die landwirtschaftliche Nutzbarkeit trägt sie maßgeblich dazu bei, die Doppelnutzung von Land nachhaltig, effizient und wirtschaftlich zu gestalten.

    Der Standard ist ein wichtiges Instrument, um die Synergien zwischen Nahrungsmittelproduktion und Energiewende optimal zu nutzen und die Resilienz der Landwirtschaft gegenüber klimatischen Veränderungen zu stärken.

    Quellen

    DIN. (2021). Agri-Photovoltaik-Systeme – Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung (DIN SPEC 91434). Berlin: Beuth Verlag.

    Favi, S., Adamou, R., Godjo, T., Giri, N., Kuleape, R., & Trommsdorff, M. (2024). Agrivoltaic systems offer symbiotic benefits across the water-energy-food-environment nexus in West Africa: A systematic review. Energy Research & Social Science. DOI: 10.1016/j.erss.2024.103737

    Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. (2023). Leitfaden Agri-Photovoltaik: Chance für Landwirtschaft und Energiewende (3. Aufl.). Freiburg.

    Sebastian Danninger-Müller

    Der Autor

    Sebastian Danninger-Müller

    Spezialist Agri-PV

    Agri-PV Experte, Ingenieur, Landwirt mit selbst umgesetzter 2,5MWh Agri-PV Anlage und mehr als sechs Jahren Erfahrung im Bereich Erneuerbare Energien.

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