Agri-PV-Anlage planen: So erfüllen Sie die DIN SPEC 91434 für Förderungen

Mit Agri-PV ernten Sie auf derselben Fläche z.B. Getreide und Sonnenstrom. Damit Ihr Feld offiziell als Agri-PV-Anlage anerkannt wird und Sie von den entsprechenden Förderungen profitieren, müssen Ihre Planungsunterlagen Hand und Fuß haben. Die DIN SPEC 91434 sieht dafür einen genauen Blick vor: Bleibt die Landwirtschaft wirklich die Hauptsache oder wird sie zum Nebenschauplatz?
In diesem Artikel erfahren Sie kompakt und praxisnah, welche Nachweise Sie für die verschiedenen Dimensionen der DIN SPEC 91434 wie Bewirtschaftung, Technik und Ertrag erbringen müssen. Wir zeigen Ihnen, welche Datenpunkte Sie konkret für die Prüfung benötigen und wo Sie diese finden können.
Für die Prüfung brauchen Sie mindestens folgende Unterlagen:
- Eingabepläne (für u.a. Reihenabstand, Blühstreifen, Bearbeitungsbreite, Vorgewende, Lichte Höhe) → erstellen Sie selbst oder mit Hilfe eines Projektentwicklers
- Landwirtschaftliches Nutzungskonzept (für u.a. Bearbeitungsbreiten des Maschinenparks, Definition der Kategorie (I/II A,B,C oder D), Fruchtfolge) → hier können Sie Anhang A der DIN SPEC 91434 benutzen
- Quellen für die Herleitung des Referenzertrags → z.B. durch die LfL Datenbank
- Berechnung des Flächenverlustes (für u.a. Gesamtfläche, Blühstreifen, Flächenverlust in %) → erstellen Sie selbst oder mit Hilfe eines Projektentwicklers
5.2.1 Allgemein
Bewirtschaftung – Grünland oder Ackerland
Sie müssen sich für eine Bewirtschaftungsform für die Förderlaufzeit der Anlage (in der Regel 20 Jahre) entscheiden: entweder Ackerbau oder Grünland. Ein Wechsel ist nach der Inbetriebnahme der PV-Anlage ausgeschlossen. Vor der Inbetriebnahme ist ein Wechsel noch möglich.
Fruchtfolge Dauer – 3 Jahre bzw. vollständiger Fruchtfolgezyklus
Stellen Sie sicher, dass die Abfolge der Kulturen im Nutzungskonzept für mindestens drei Jahre oder einen vollständigen Fruchtfolgezyklus geplant ist.
Hauptkulturen Liste – vollständig
Die Liste muss zwingend die landwirtschaftliche Hauptnutzung der Flächen widerspiegeln. Primäre Kulturen, die den Hauptzweck darstellen, sind zu listen. Randerscheinungen oder untergeordnete Nutzungen dürfen die Gesamtbetrachtung nicht verzerren.
Unterschriften – vorhanden
Stellen Sie sicher, dass das landwirtschaftliche Nutzungskonzept sowohl vom Landnutzer als auch vom Anlagenerrichter (EPC) unterschrieben ist.
5.2.2 Aufständerung/Kategorisierung
Anlagen-Kategorie & Nutzungsart
Hochaufgeständerte Anlagen (Bewirtschaftung unter den Modulen) entsprechen Kategorie I, bodennahe Anlagen (Bewirtschaftung zwischen den Modulreihen) entsprechen Kategorie II. Mehr zu den Unterschieden erfahren Sie in unserem Artikel zur Kategorie I vs. II.
Die Nutzungsart gliedert sich wie folgt:
- A: Dauerkulturen und mehrjährige Kulturen – z.B. Obstbau, Beerenobstbau, Weinbau, Hopfen
- B: Einjährige und überjährige Kulturen – z.B. Ackerkulturen, Gemüsekulturen, Wechselgrünland, Ackerfutter
- C: Dauergrünland mit Schnittnutzung – z.B. Intensives Wirtschaftsgrünland, extensiv genutztes Grünland
- D: Dauergrünland mit Weidenutzung – z.B. Dauerweide, Portionsweide (Rinder, Geflügel, Schafe, Schweine, Ziegen)
Ausrichtung – Himmelsrichtung(en)
Legen Sie dar, in welche Himmelsrichtung die Anlage ausgerichtet ist. Bei nachgeführten Anlagen: in welche Himmelsrichtungen die Anlage nachführt (meist von Ost nach West).
Technisches System – Nachgeführt j/n
Identifizieren Sie, ob es sich um eine nachgeführte oder festaufgeständerte Anlage handelt. Mehr dazu in unserem Artikel zu Tracker-Systemen und deren Wirtschaftlichkeit.
Kultur-Eignung – Licht- und Platzverfügbarkeit
Die Kultur-Eignung ist elementar, damit Sie tatsächlich gleichzeitig "Weizen und Strom" anbauen können. Diese ergibt sich aus der Licht- und Platzverfügbarkeit und daher aus Ihrer Anlagen-Kategorie und Nutzungsart. Stellen Sie sicher, dass Ihre Hauptkulturen-Liste mit der angegebenen Nutzungsart (A–D) übereinstimmt. Tipps zur Pflanzenauswahl und Reihenabstand finden Sie in unserem Fachartikel.
5.2.3 Flächenverlust
Gesamtprojektfläche – quadratmetergenau
Geben Sie die landwirtschaftliche Fläche vor dem Bau der Agri-PV-Anlage genau an. Also die Fläche, auf der nach dem Bau der Anlage gleichzeitig landwirtschaftliche Nutzung und Nutzung zur Stromerzeugung betrieben wird. Schließen Sie Randbereiche wie z.B. Vorgewende mit ein.
Flächenverlust absolut – quadratmetergenau
Dies ist jener Flächenanteil, der vor dem Bau der Agri-PV-Anlage bewirtschaftet wurde, nach dem Bau jedoch nicht mehr für eine landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung steht.
Die Definition umfasst dabei Bereiche, die z.B. durch Aufständerung oder Rammschutz nicht mehr zur Verfügung stehen oder durch gängige landwirtschaftliche Maschinen nicht mehr erreicht werden. Mit dazu zählen auch Trafostationen und die Fläche des Blühstreifens.
Es ist essentiell, dass Sie die Gesamtprojektfläche (Umrahmung der äußersten Modulreihen (bei Trackern im waagrechten Modus) plus Vorgewende und etwaige Nebenanlagen) als Basis benutzen. Der Verlust umfasst: Blühstreifen falls vorhanden sowie Nebenanlagen wie Trafo, ÜSS oder BESS und etwaige Zufahrtswege.
Flächenverlust prozentual - auf Basis der absoluten Zahlen
Berechnen Sie das Verhältnis von Flächenverlust zur Gesamtprojektfläche.
Dieser Wert darf bei Kategorie I maximal 10 %, bei Kategorie II maximal 15 % entsprechen.
Exemplarische Berechnung der Flächennutzung
5.2.4 Bearbeitbarkeit
Lichte Höhe - auf 10cm genau
Geben Sie die Durchfahrtshöhe/lichte Höhe unter der Unterkonstruktion an. Die lichte Höhe ist als freier vertikaler Bereich zwischen dem Grund der landwirtschaftlichen Nutzungsfläche und der Unterkante des niedrigsten Konstruktionselements unter Eigengewichtsverformung definiert.
Bei beweglichen Konstruktionselementen wie z.B. Tracker Anlagen ist die Drehachse heranzuziehen.
Bei Kategorie I müssen dies mindestens 2,10 m sein. Bei Kategorie II: Keine spezifische Mindesthöhe, muss aber zur Kultur passen.
Max. Maschinenbreite - breitestes Gerät
Identifizieren Sie das breiteste landwirtschaftliche Gerät, das auf dieser Fläche eingesetzt werden soll.
Reihenabstand Pitch – größer als max. Maschinenbreite
Geben Sie den Abstand der Ständer/Pfosten innerhalb einer Modulreihe in Fahrtrichtung an. Stellen Sie sicher, dass Sie explizit vom Abstand von Pfosten zu Pfosten sprechen. Der Pitch ist dabei nicht der Modulreihenabstand (in T-Stellung). Es muss die Durchfahrt der im Fuhrpark genannten Maschinen ohne Beschädigungsrisiko ermöglicht sein.
Blühstreifen Breite – in Meter
Geben Sie die Breite des ökologischen Ausgleichsstreifens oder Blühstreifens unter/zwischen den Modulen an.
Beetbreite – größer als max. Maschinenbreite
Geben Sie die Beetbreite bzw. die Arbeitsbreite Landwirtschaft an. Diese berechnet sich aus dem Reihenabstand Pitch minus Breite Blühstreifen. Die Beetbreite muss dabei größer als die max. Maschinenbreite sein.
Tipp: Die Beetbreite, insbesondere in Bayern, sollte immer > 9 m betragen. Das gibt das bayerische Landwirtschaftsministerium vor, damit keine Ertragseinbußen > 33 % entstehen.
Vorgewende Breite – in Meter
Geben Sie die Daten des freien Bereichs am Feldrand zum Wenden der Maschinen an. Stellen Sie sicher, dass diese ausreichend dimensioniert ist, um mit der maximalen Maschinenbreite ohne Rangieren wenden zu können.
Arbeitsbreite Geräte – in Meter
Geben Sie alle Anbaugeräte (z.B. Spritze, Mähwerk) für die Hauptkulturen an, mit der jeweiligen Arbeitsbreite.
Tipp: Die Beetbreite muss mit der Arbeitsbreite Geräte (oder einem Vielfachen davon) harmonieren.
5.2.5 Lichtverfügbarkeit und -homogenität
Geben Sie das Lichtbedürfnis der Kulturpflanzen an. Beschreiben Sie, wie sichergestellt wird, dass dieses Lichtbedürfnis und die benötigte Lichthomogenität durch das Anlagendesign sichergestellt werden.
Um mit aussagekräftigen Zahlen zu arbeiten, schätzen Sie den Verschattungsgrad zwischen und unter den Modulreihen. Falls gewünscht, können Sie sich an das Fraunhofer ISE wenden, welches 2023 detaillierte Verschattungsdaten recherchiert und publiziert hat.
5.2.6 Wasserverfügbarkeit
Wasserverfügbarkeit – Bedarf und Erfüllung
Geben Sie das Wasserbedürfnis der Kulturpflanzen an. Beschreiben Sie, wie sichergestellt wird, dass dieses Wasserbedürfnis durch das Anlagendesign sichergestellt wird.
Bei Nachführsystemen gehen Sie zum Beispiel darauf ein, welche Moduleinstellungen günstig für mehr/weniger Regen wären. Erwähnen Sie auch, aus welcher Richtung der Regen sowie der Wind normalerweise einfällt und welche Effekte sich dadurch auf die Vernässung bzw. Austrocknung ergeben. Bedenken Sie zuletzt, wie sich die zusätzliche Feuchtigkeit durch die Verschattung auswirkt.
Homogene Wasserverteilung – Bedarf und Erfüllung
Geben Sie an, wie das Niederschlagswasser auf der Fläche verteilt wird. Wichtig ist, dass dieses homogen verteilt wird, insbesondere Tropfwasser. Erosion durch Punktentwässerung ist zu vermeiden.
5.2.7 Bodenerosion
Beschreiben Sie, wie Sie Bodenerosion und Oberbodenverschlämmung vermeiden oder minimieren. Mögliche Maßnahmen sind zum Beispiel Regenwasserverteiler, Auffangeinrichtungen etc.
5.2.8 Rückbaubarkeit
Fundamentart – Darstellung der Verankerung
Geben Sie die Art der Verankerung im Boden an (z.B. Rammpfähle, Schraubfundamente, Beton). Eine rückstandslose Rückbaubarkeit muss möglich sein.
Rückbaubarkeit Fundamente – muss gegeben sein
Falls Sie mit einem Fundament planen, beschreiben Sie den Plan zum Rückbau der Fundamentierung und Verankerung. Die Fundamente müssen so konzipiert sein, dass sie rückstandslos entfernt werden können.
Wiederherstellung Urzustand – muss geplant sein
Legen Sie dar, dass die Fläche nach dem Abbau im ursprünglichen Zustand verbleibt oder Maßnahmen zur Reduzierung dauerhafter Beschädigung der landwirtschaftlichen Fläche getroffen werden.
Bodenstruktur-Schutz – muss gegeben sein
Geben Sie an, ob Sie eine Bodenverdichtung oder -schäden erwarten. Falls ja, definieren Sie Maßnahmen für den Fall beim Bau/Rückbau.
5.2.9 Wirtschaftlichkeit
Beschreiben Sie in einem Wirtschaftskonzept die Wirtschaftlichkeit/Sinnhaftigkeit des geplanten Projekts aus Sicht des landwirtschaftlichen Betriebes. Es ist elementar, dass die Ertragssituation sowohl die landwirtschaftliche Erzeugung als auch den Stromertrag mit einbezieht. Erstellen Sie dafür eine entsprechende Kalkulation.
Erwähnen Sie für die landwirtschaftliche Erzeugung zum Beispiel die erhöhten Pachteinnahmen. Alternativ geben Sie bei Eigenbewirtschaftung den Deckungsbeitrag der jeweiligen Kultur an.
Wichtig: Sie müssen nachweisen, dass der landwirtschaftliche Betrieb auch mit dem verminderten Ernteertrag durch die APV weiterhin alleine tragfähig ist, selbst wenn man die Stromerzeugung außen vor lässt. Es muss klar nachvollziehbar sein, dass die landwirtschaftliche Produktion die Hauptnutzung und die Stromproduktion die Sekundärnutzung darstellt.
Für Landwirte ist es besonders wichtig, die Wirtschaftlichkeit sorgfältig darzulegen. Mehr zu den aktuellen EEG-Fördermodellen erfahren Sie in unserem Übersichtsartikel.
5.2.10 & 5.2.12 Ertrags-Check
Ziel-Ertragsniveau – in Prozent
Geben Sie den berechneten Prozentsatz des erwarteten Ernteertrags im Vergleich zum Referenzertrag an. Es gilt zu beachten, dass dieser mindestens 66 % des Referenzertrages betragen muss.
Flächenverlust – in Quadratmeter
Stellen Sie sicher, dass der Flächenverlust durch die Unterkonstruktion in die Ertragsreduktion eingerechnet wurde, und geben Sie den Flächenverlust als Teil der Gesamtreduktion an.
Beschattung – in Quadratmeter
Geben Sie an, ob der Flächenverlust durch die Verschattung der PV-Module in die Ertragsreduktion eingerechnet wurde. Auch die Beschattung soll als Teil der Gesamtreduktion ausgewiesen sein.
Wasserverteilung – in Quadratmeter
Legen Sie dar, ob der Flächenverlust durch ungleichmäßige Wasserverteilung (Abtropfkanten) in die gesamte Ertragsreduktion eingerechnet wurde.
Qualifikation – kurze Darlegung
Geben Sie die Qualifikation des Erstellers der Ertragsprognose an. Legen Sie kurz dar, warum es sich um qualifiziertes Fachpersonal handelt. Das können zum Beispiel Sie als Landwirt selbst sein, Agraringenieure, öffentlich bestellte Sachverständige etc.
5.2.11 Referenzertrag-Basis – pro Hauptkultur
Geben Sie je Hauptkultur den Wert an, der als Vergleichsbasis für den Ertrag vor Bau der Anlage dient. Geben Sie die dafür verwendete Quelle an. Dafür eignen sich zum Beispiel Betriebsdaten bei bereits angebauten Kulturen oder externe Statistiken wie diese von Destatis/LfL bei neuen Kulturen.
Wichtig: Stellen Sie sicher, dass Sie Daten über mehrere Jahre verwenden. Bei bestehenden Kulturen gilt: Für Dauerkultur/Grünland sollte mindestens das Mittel der letzten 3 Jahre oder mehr verwendet werden, bei Ackerbau das Mittel über 3 Fruchtfolgezyklen oder mehr. Auch bei neuen Kulturen muss mindestens der Durchschnitt der letzten 3 Jahre oder mehr aus einschlägigen Veröffentlichungen genutzt werden.
Weiterführende Ressourcen
- DIN SPEC 91434 – Der Standard für Agri-PV erklärt
- Kategorie I vs. II – Die Unterschiede erklärt
- Kriterien an die landwirtschaftliche Hauptnutzung
- Agri-PV Zertifizierung für Landwirte
- Informationen für Projektentwickler
- Unsere Referenzprojekte
Fazit: Gute Vorbereitung sichert Ihre Förderung
Die DIN SPEC 91434 stellt umfangreiche Anforderungen an Ihre Planungsunterlagen. Von der Bewirtschaftungsform über die technische Auslegung bis hin zur Ertragsprognose – jede Dimension muss sauber dokumentiert sein. Eine professionelle Konformitätsprüfung durch erfahrene Gutachter gibt Ihnen die Sicherheit, dass Ihre Anlage alle Voraussetzungen für die Anerkennung und Förderung erfüllt.
Kontaktieren Sie uns für eine kostenlose Ersteinschätzung – wir prüfen Ihre Unterlagen und zeigen Ihnen, wo ggf. noch Nachbesserungsbedarf besteht.
Quellen
DIN Deutsches Institut für Normung e.V. (2021). DIN SPEC 91434: Agri-Photovoltaik-Anlagen – Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung. Berlin: Beuth Verlag.
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (2024). Leitfaden Agri-Photovoltaik: Chancen für die Landwirtschaft und die Energiewende (4. überarb. Aufl.). Freiburg: Fraunhofer ISE.
Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (2023). Leitfaden Agri-PV in Bayern. München: StMELF.

Der Autor
Sebastian Danninger-Müller
Spezialist Agri-PV
Agri-PV Experte, Ingenieur, Landwirt mit selbst umgesetzter 2,5MWh Agri-PV Anlage und mehr als sechs Jahren Erfahrung im Bereich Erneuerbare Energien.
PV Siegel